ServiceNow CVE-2026-6875 RCE: Sandbox-Escape aktiv ausgenutzt

ServiceNow CVE-2026-6875 RCE wird bereits aktiv ausgenutzt: Eine kritische, unauthentifizierte Sandbox-Escape-Schwachstelle in der ServiceNow AI Platform steht kaum eine Woche nach dem Patch des Herstellers unter Beschuss — und die eigene Sicherheitswarnung von ServiceNow hat mit der unabhängigen Bestätigung der Ausnutzung noch nicht gleichgezogen.
Was ist passiert
ServiceNow CVE-2026-6875 RCE geht auf eine Sandbox-Escape-Schwachstelle in der ServiceNow AI Platform (vormals Now Platform) zurück, die Searchlight Cyber entdeckte und am 1. April verantwortungsvoll an den Hersteller meldete. Die Lücke trägt einen CVSS-4.0-Basiswert von 9,5 und erlaubt es einem unauthentifizierten Angreifer, über präparierte Requests an den Pre-Auth-Endpunkt /assessment_thanks.do die Sandbox zu verlassen und in komplexen Angriffsszenarien Code remote auszuführen.
ServiceNow lieferte den Fix für gehostete (vom Hersteller verwaltete) Instanzen automatisch aus und veröffentlichte am 13. Juli Patches für Self-Hosted-Kunden und Partner (behobene Releases: Australia Patch 2, Brazil EA/GA, Zurich Patch 7b und 9, Yokohama Patch 12 Hot Fix 1b und Patch 13). Eine Woche später, am Wochenende des 17.–18. Juli, bestätigte das Threat-Intelligence-Unternehmen Defused aktive Ausnutzung in freier Wildbahn: Die Payloads treffen denselben Pre-Auth-Sink, den Searchlight dokumentiert hat, erreichen die Codeausführung jedoch über ein anderes Sandbox-Escape-Gadget als im veröffentlichten Proof-of-Concept.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung erklärt die offizielle Sicherheitswarnung von ServiceNow weiterhin, man sei sich „keiner Ausnutzung gegen ServiceNow-Instanzen bewusst“ — eine Lücke zwischen Hersteller-Kommunikation und unabhängiger Forscher-Bestätigung, auf die IT-Teams nicht warten sollten. Die Schwachstelle steht noch nicht im KEV-Katalog der CISA.
Warum das wichtig ist
ServiceNow gibt an, dass die AI Platform jährlich über 100 Milliarden Workflows abwickelt und mehr als 100.000 Enterprise-AI-Apps bei 85% der Fortune-500-Unternehmen betreibt — eine Größenordnung, die dies zu einer der größten in diesem Jahr offengelegten Angriffsflächen macht. Im deutschen Mittelstand ist ServiceNow ein verbreitetes Rückgrat für IT-Service-Management, HR-Fallbearbeitung und Kundenservice-Workflows und verarbeitet dabei häufig Mitarbeiter- und Kundendaten, die unter NIS2- und DSGVO-Pflichten fallen. Da die Lücke unauthentifiziert und pre-auth ist, ist jede ungepatchte, internetseitig erreichbare Instanz ohne gültige Zugangsdaten angreifbar — und die „keine bekannte Ausnutzung“-Formulierung des Herstellers erzeugt ein trügerisches Sicherheitsgefühl bei Teams, die sich auf offizielle Warnungen statt auf unabhängige Telemetrie verlassen.
Was Sie jetzt tun sollten
- Sofortmaßnahme: Self-Hosted-ServiceNow-Instanzen jetzt auf ein behobenes Release aktualisieren — Australia Patch 2, Brazil EA/GA, Zurich Patch 7b/9 oder Yokohama Patch 12 Hot Fix 1b/13, gemäß ServiceNow KB3137947.
- Prüfen: Bestätigen, dass gehostete (vom Hersteller verwaltete) Instanzen den automatischen Fix erhalten haben — Patch-Status gegen KB3137947 im Now-Support-Portal (HI) abgleichen.
- Mitigierung: Falls ein sofortiges Patchen nicht möglich ist, den Zugriff auf den Endpunkt
/assessment_thanks.dovon außen auf WAF- bzw. Reverse-Proxy-Ebene einschränken oder überwachen. - Monitoring: Web- und WAF-Logs auf auffällige Requests an
/assessment_thanks.dovon unbekannten Quell-IPs prüfen — jeden Treffer als möglichen Kompromittierungsindikator behandeln, nicht nur als Scan.
DIESEC Einschätzung
Wir haben dasselbe Muster bereits bei SharePoint und FortiSandbox in diesem Jahr beobachtet: Eine Hersteller-Warnung, die der unabhängigen Forscher-Bestätigung hinterherhinkt, erzeugt die gefährliche Annahme „keine Meldung ist eine gute Meldung“. Behandeln Sie diesen Fall als ausgenutzt, bis Ihre eigenen Logs das Gegenteil belegen.
Nicht sicher, ob Ihre ServiceNow-Instanz ein gepatchtes Release nutzt oder bereits gegen diesen Endpunkt getestet wurde? Kontaktieren Sie DIESEC für eine schnelle Patch-Verifizierung und Expositions-Prüfung.
Quellen: BleepingComputer | NVD
Veröffentlicht: 2026-07-21 | Kategorie: Tägliche News | ~4 Min. Lesezeit

