Wenn irgendwo etwas unerklärlich schiefgeht, sind ganz bestimmt russische Hacker schuld. Wie das Fachblatt “Postillon” meldet, wurde dieser Glaube nun offiziell zur Religion erklärt.

“Russische Hacker sind allmächtig” zitiert der Postillon einen Teilnehmer eines Gebetskreises. Das ist natürlich Satire. Und wie jede gute Satire wirft diese Meldung ein Schlaglicht auf ein tatsächliches Problem: Man kann nämlich in der IT erschreckend selten beweisen, wer wirklich hinter einem Angriff steckt. Hacker haben viele Möglichkeiten, ihre Spuren zu verwischen. Es gibt kaum eine physische Tat, die man beobachten könnte.

Dass jemanden beim Hantieren mit einem Keylogger erwischt wird wie beim taz-Hack, ist die absolute Ausnahme. Trotzdem werden viele Angriffe auf sehr dünner Faktenbasis bestimmten Angreifern zugeordnet. Gerne Russland, China oder Nordkorea. Man kann es nicht beweisen, aber man möchte es gerne glauben, weil es ins eigene Weltbild passt. Da hat der Postillon schon Recht, das wirkt manchmal schon fast religiös. Dabei liegen die Chinesen in den Google News weit vorne: Das Suchwort “chinesische Hacker” liefert dort 540.000 Treffer. “Russische Hacker” sind 107.000 mal vertreten und nordkoreanische nur 65.000 mal.

Viele weitere spannende Infos:
https://www.wired.com/2016/12/hacker-lexicon-attribution-problem/ https://www.schneier.com/blog/archives/2017/06/nsa_links_wanna.html