In Filmen werden kriminelle Hacker oft als Superhelden dargestellt, die jede Menge spannende Abenteuer erleben. In Wirklichkeit ist die Arbeit in der organisierten Computerkriminalität oft erschreckend langweilig.

Die Rolle, die in Fantasy-Romanen der Zauberer spielt, wird in Krimis und SciFi-Filmen oft vom Hacker übernommen. Die meist männliche Figur löst unmögliche Aufgaben, öffnet fest verschlossene Türen und sprengt Grenzen, an denen Normalsterbliche scheitern. Im Gegenzug lebt der Zauberer oft zölibatär, was im Falle des Hackers im Film oft an dessen Schüchternheit liegt, die zum Nerd-Klischee gehört wie der dunkle Kapuzenpulli.

Bis auf das Zölibat ist das ein Leben, das vielen durchaus reizvoll erscheinen mag. Sogar die drohende Strafverfolgung – der sich der Hacker natürlich durch seine übersinnlichen Fähigkeiten immer wieder knapp entzieht –, erhöht durch Nervenkitzel die Attraktivität dieses Berufsbildes.

Sie ahnen es: Die Wirklichkeit ist weitaus weniger glamourös. Forschende der Uni Cambridge haben Interviews mit Admins illegaler Server geführt und einschlägige Forenbeiträge aus dem Darknet ausgewertet.

Ergebnis: Die illegalen Jobs im Cybercrime bestehen zu großen Teilen aus langweiligen Routine-Aufgaben. Man muss immer wieder die gleichen Adressen abscannen, um sicherzustellen, dass das Botnetz noch funktioniert, man muss immer wieder die gleichen blöden Fragen von unfähigen Kunden beantworten und man muss von Zeit zu Zeit immer wieder an neue Adressen umziehen, weil die Polizei mal wieder die bisherige Adresse einkassiert hat. Das klingt weit weniger spaßig als der verbreitete Hacker-Mythos erwarten lässt.

Schuld am romantisierten Bild der digitalen Räuberei ist nach Einschätzung der Forscher nicht nur Hollywood sondern auch die Polizei. Die unterstreicht in ihren Pressemeldungen nämlich gerne, wie raffiniert und mächtig die Gegner waren, die sie dann trotzdem erwischt hat. Und motiviert damit unabsichtlich den kriminellen Nachwuchs. Der wiederum macht sich oft überzogene Hoffnungen auf hohe Einnahmen. Tatsächlich ist das Darknet inzwischen in so kleinteilige Jobs aufgeteilt, dass auch die Gewinne für die Einzelnen weit hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle an die Betroffenen appellieren, die Seiten zu wechseln und sich einen legalen Job als Admin zu suchen. Aber auch diesem Ansinnen erteilen die Forscher eine ernüchternde Absage: Aus ihren Interviews schließen sie nämlich, dass die Mitarbeiter der Cyber-Mafia keineswegs hochqualifizerte Top-Spezialisten sind, sondern oft nur deshalb im Untergrund arbeiten, weil sie für reguläre Jobs in der Branche zu dämlich sind. Im Cyberspace geht es eben auch nicht anders zu als in der sogenannten Wirklichkeit.

Quelle: https://www.cl.cam.ac.uk/~bjc63/Crime_is_boring.pdf