Es war der 5. Mai 2035, kurz nach 11 Uhr Mitteleuropäischer Zeit. Amelie Schmidt wurde unsanft aus ihrem Schlaf geweckt, als ihr autonomes Auto plötzlich mit quietschenden Reifen von der Fahrbahn abkam. Entsetzt musste sie mit ansehen, wie der sonst so zuverlässige Wagen gezielt mit Vollgas in eine Menschengruppe raste.

Amelies Hände tasteten panisch nach einer Handbremse, nach einem Notausschalter – obwohl ihr Verstand wusste, dass es keinen gab. „Nicht nötig“, hatte man ihr versichert. Der Aufprall war grauenhaft. Das Splittern der Windschutzscheibe mischte sich mit dem Geräusch brechender Knochen, Blut spritzte über das Glas. Sie sah, wie ein Kinderwagen vom Aufprall durch die Luft geschleudert wurde.

Amelie war so geschockt, dass sie erst nach mehreren Minuten wieder in der Lage war, sich zu bewegen. Sie stieg aus, die Tür klemmte zum Glück nur leicht. Sie beugte sich über einen wimmernden Verletzten, als ihr bewusst wurde, dass der Horror noch viel größer war.

Die Geräusche der Stadt hatten sich verändert. Das ständige Surren der autonomen Autos war verstummt. Statt dessen hörte sie Schmerzensschreie – nicht nur von ihrem eigenen Unfall, auch von weiter weg. Voller böser Vorahnung wagte sie kaum den Blick zu heben.

Als sie es doch tat, wurde ihr schwindelig. Ihr Unfall war nicht der einzige. Alle Autos, die sie sehen konnte, waren in schwere Zusammenstöße verwickelt. Es sah so aus, als hätte sie gezielt die Kollision mit Fußgängern, Ladengeschäften und anderen Kraftfahrzeugen gesucht.

Jemand hatte die autonomen Steuerungen der Autos mit Schadsoftware infiziert. Niemand hatte einen solchen Angriff für möglich gehalten. Die Trojaner hatten jahrelang unerkannt in den Steuerungen geschlafen, sich nur mit wenigen Signalen koordiniert. Sie hatten die Algorithmen der Fahrzeuge umgepolt: Was sie sonst zu vermeiden hatten, steuerten sie jetzt mit Vollgas an. Die Autos waren alle miteinander vernetzt. Das hatte den Angreifern die Möglichkeit gegeben, ihre Anschläge perfekt zu koordinieren.