Manchmal frage ich mich, wie man heute überhaupt noch Paranoia diagnostizieren will. Wenn früher ein Patient beim Psychiater erzählte, dass der BND ihn überwacht, konnte man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um Wahnideen handelte. Heute dagegen müsste der Arzt eigentlich antworten: “Das sind keine Wahnvorstellungen. Sie werden wirklich überwacht. Ich übrigens auch.”

Wenn das Stichwort “Überwachung” fällt, denken viele zuerst an die NSA. Dabei wird der größte Internet-Knoten der Welt von einem ganz anderen Dienst überwacht: vom Bundesnachrichtendienst. Im DE-CIX in Frankfurt fließen in unzähligen Glasfaserleitungen jede Sekunde Terabits hin und her. Kein anderer Datenknoten im Netz verwaltet so viel Traffic. Und der Bundesnachrichtendienst hat seine Wanzen mittendrin. Mit einfachen Glasprismen werden die Lichtstrahlen der Datenleitungen aufgeteilt: Ein Strahl fließt weiter zum legitimen Empfänger, der andere wandert heimlich zum BND. Nur dass diese Lichtstrahlen nicht an einen einzelnen Empfänger gerichtet sind. Statt dessen enthalten sie Datenpakete für ganz unterschiedliche Adressaten. Das Prisma der Spione macht da keinen Unterschied: Was durch die angezapfte Leitung fließt, wird abgehört.

Der Betreiber des DE-CIX ist verpflichtet, dem BND “eine vollständige Kopie der Telekommunikation bereitzustellen”! Dagegen hat die DE-CIX Management GmbH vor dem Bundesverwaltungsgericht geklagt und verloren (30. Mai 2018 – Aktenzeichen BVerwG 6 A 3.16, Wikipedia dazu). Damit ist jetzt offiziell höchstrichterlich bestätigt, dass wir alle belauscht werden. Ok, ganz so krass wird es in Wirklichkeit nicht sein. Tatsächlich fließt nicht *jedes* Datenpaket durch den DE-CIX, und es wird auch nicht der *komplette* Traffic dort zum BND abgeleitet. Aber es kann Ihnen auch niemand guten Gewissens garantieren, dass Ihre Daten *nicht* beim BND landen! Die Konsequenz ist klar: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle Internetverbindungen. Wie Sie die in Ihrem Unternehmen implementieren, dazu beraten wir Sie gerne.