Bei den aktuellen Winterspielen in Pjönjang ist eine Malware-Sorte wieder aufgetaucht, die ihre besten Zeiten eigentlich schon lange hinter sich hat: der klassische Rüpel-Virus, der einfach nur kaputtmachen will.

Vor langer langer Zeit, als das Internet noch “Zing-Boing” machte, bevor es Bit für Bit aus der Telefonleitung tröpfelte, in dieser grauen Vorzeit, irgendwann nach der Erfindung der sumerischen Keilschrift, kurz vor Unicode 2.1, da tauchten die ersten Computerviren auf. Damals waren Virenprogrammierer noch pubertäre Rüpel, die einfach nur irgendwas kaputt machen wollten. Also eigentlich die Nerd-Variante von denen, die nachts besoffen durch die Stadt ziehen und Papierkörbe anzünden.

Computerviren versteckten sich damals in den Bootsektoren von Disketten, löschten gerne irgendwas und waren meist grottenschlecht programmiert. Tatsächlich verbreiteten sich mehrere Computerviren nur versehentlich epidemisch, weil der jeweilige Entwickler, ähnlich wie Goethes Zauberlehrling, einfach nicht wusste, was er da tat. Kein Vergleich mit den heutigen modularen ferngesteuerten hochkomplizierten nachladbaren Schadprogrammen, die von gut bezahlten Angestellten der organisierten Kriminalität professionell entwickelt werden. Der Trend zum kommerziellen Cybercrime begann um die Jahrtausendwende und setzt sich ungebrochen fort.

Aber Ereignisse wie der Angriff auf die Olympiade erinnern uns daran, dass es die klassischen Computer-Rüpel immer noch gibt. Die Software wollte allem Anschein nach weder Cryptogeld schürfen noch Dateien verschlüsseln oder Daten ausspähen, sondern einfach nur Windows-PCs unbrauchbar machen. Dabei geht die Malware aber deutlich raffinierter vor als die ersten Zerstörungsviren. Das Programm ist lernfähig, kommuniziert mit einem Steuerungsserver, verbreitet sich in einem mehrstufigen Prozess im Netzwerk und stört gezielt die Wiederherstellungskonsole. Die Computer-Rüpel sind wieder da. Aber sie haben inzwischen programmieren gelernt. Früher war eben alles besser.