Der gigantische Betrug, der sich in der Republik Moldau letztes Jahr abgespielt hat, scheint direkt einem Hollywood-Drehbuch zu entstammen. Statt mit vorgehaltener Waffe ein paar Tausender abzuräumen, hat dort anscheinend ein reicher Geschäftsmann gleich drei Banken gekauft, um sie nach allen Regeln der Kunst auszunehmen.

Zunächst beschaffte er sich mit Hilfe eines Geflechts von Tochter- und Briefkastenfirmen Mehrheitsbeteiligungen an drei Moldawischen Banken: Unibank, Banca Sociala und Banca de Economii. Dann veranlasste er eine lange Reihe undurchsichtiger Transaktionen, und am Ende sind – Hokuspokus – eine Milliarde Dollar verschwunden. Der Betrug begann 2012 und endete spektakulär im November 2014. Der genaue Schaden ist noch nicht beziffert, andere Quellen geben 767 Millionen oder 870 Millionen an. Man kann davon ausgehen, dass gut ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts der Republik Moldau geklaut wurde.

Alle drei beteiligten Banken brachen am 26. November 2014 zusammen, wurden unter die Aufsicht der Nationalbank gestellt und mit Notkrediten aufgepäppelt. Die Moldawische Staatsbank versuchte zu ermitteln, was genau passiert war – vergeblich. Ende Januar 2015 wurden die privaten Wirtschaftsermittler der amerikanischen Firma Kroll engagiert, um den Schlamassel aufzuklären. Aber auch die Profis von Kroll hatten dabei mit der einen oder anderen Schwierigkeit zu kämpfen. So waren Dokumente verschwunden und Dateien gelöscht. Unterlagen zu einigen der wichtigsten Transaktionen sollten auf Anweisung der Bankmanager archiviert werden und wurden mit einem Lieferwagen abgeholt. Dieser Lieferwagen wurde gestohlen und brannte komplett aus – so ein Pech aber auch. Der vorläufige Bericht der Kroll-Ermittler steht seit Anfang Mai online. Aber bis alle Details dieses Mega-Betrugs aufgeklärt sind, wird es wohl noch eine Weile dauern.